Diese Situation trifft zurzeit viele Firmen: Das System, das jahrelang treu gedient hat, wird vom Hersteller abgekündigt. Ein Enddatum steht im Raum, und mit ihm die Frage: Und jetzt? Die erste Reaktion ist oft Schockstarre, und sie ist verständlich. Die letzte Einführung ist als Kraftakt in Erinnerung: Monate voller Workshops, Datenübernahmen, Nervosität. Das will niemand freiwillig wiederholen. Also wird das Thema geschoben, Quartal um Quartal. ## Zwei Nachrichten Die gute Nachricht: Eine Migration ist kein zweites Einführungsprojekt. Vieles, was damals mühsam war, ist heute gelöst. Die Prozesse existieren bereits, das Team weiss, was ein CRM ist, und moderne Cloud-Systeme nehmen einem die gesamte Infrastrukturfrage ab. Der Wechsel ist eher ein Umzug als ein Neubau. Die schlechte Nachricht: Wer den Umzug als reine IT-Übung behandelt, nach dem Motto «alle Daten eins zu eins rüber», zügelt die Altlasten gleich mit ins neue System. Und steht danach mit einem neuen System da, das sich anfühlt wie das alte, nur ungewohnt. ## Drei Dinge, auf die es ankommt Aus meiner Erfahrung mit solchen Wechseln entscheiden drei Dinge über das Ergebnis: 1. Daten entrümpeln statt zügeln. Eine Migration ist die einmalige Gelegenheit, Karteileichen, Duplikate und seit Jahren inaktive Kontakte zurückzulassen. Ein neues System mit sauberen Daten fühlt sich vom ersten Tag an besser an und die Datenqualität bleibt jahrelang spürbar. 2. Prozesse hinterfragen. Nicht jedes Feld, das 2015 wichtig schien, verdient ein neues Zuhause. Nicht jeder Genehmigungsschritt, der sich eingeschlichen hat, gehört mitgenommen. Der Umzug ist der Moment, in dem Ballast abwerfen nichts extra kostet. 3. Das Team früh mitnehmen. Wer erst am Go-Live-Tag vom neuen System erfährt, wird es nicht lieben. Wer früh mitreden darf, welche Ärgernisse des alten Systems verschwinden sollen, wartet auf den Wechsel statt ihn zu fürchten. ## Der Faktor Zeit Mit einem realistischen Plan ist ein solcher Wechsel in wenigen Monaten machbar, ohne Stillstand im Tagesgeschäft: Das alte System läuft weiter, bis das neue bereit ist, dann folgt ein geordneter Umstieg mit Testläufen. Entscheidend ist ein einziger Faktor, den man nicht verhandeln kann: früh genug anfangen. Abkündigungstermine verschieben sich nicht, weil man nicht bereit ist. Wer zwölf Monate vor dem Enddatum startet, wechselt in Ruhe und trifft gute Entscheidungen. Wer drei Monate vorher startet, wechselt unter Druck und nimmt, was schnell geht. Die Abkündigung eines vertrauten Systems fühlt sich wie eine Zumutung an. Richtig angepackt ist sie eine Gelegenheit, die sich sonst nie ergibt: einmal aufräumen, einmal modernisieren, einmal alles auf den heutigen Stand bringen. Es wäre schade, sie unter Zeitdruck zu verschenken.